„Wir müssen mal reden!“ mit Lea Rosh

15.05.2019

Im Rahmen meiner Veranstaltungsreihe „Wir müssen mal reden!“ lade ich regelmäßig Personen aus Politik und Gesellschaft in mein Bürgerbüro am S-Bhf. Botanischen Garten ein. Am 13. Mai hatte ich die Ehre Lea Rosh als Gast begrüßen zu können. Als Initiatorin des Denkmals für die ermordeten Juden Europas hat sie einen großen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur geleistet. Selbstverständlich wollte ich von ihr mehr über die Beweggründe, die zur Entstehung des Denkmals führten, erfahren.

Der Grundstein für ihr ausdauerndes Engagement für verfolgte und benachteiligte Menschen wurde bereits im Kindesalter gelegt. So machte sie bereits als kleines Kind erste Erfahrungen mit alltäglichem Antisemitismus. In ihrem Geschichtsstudium entwickelte Lea Rosh einen tiefergehenden Bezug zu dem Thema, der auch ihr gesamtes Berufsleben als Journalistin und Publizistin geprägt hat.

Im Gespräch ermöglichte Frau Rosh uns spannende Einblicke in den Entstehungsprozess ihres Lebenswerkes, des Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Als sie Ende der 80iger-Jahre gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Jäckel den Gedanken für ein zentrales Denkmal hatte, ahnte sie nicht, wie langwierig der Weg bis zur Realisierung sein würde. Aus zunächst geplanten drei bis vier Jahren wurden am Ende 15 Jahre des Engagements gegen zahlreiche Widerstände aus Politik, Medien und Gesellschaft. Interessant war zu erfahren, dass die Dauer für derartige Projekte gar nicht ungewöhnlich ist. So benötigte es in Israel ähnliche lange bis die Gedenkstätte Yad Vashem fertig gestellt wurde.

Ein weiteres wichtiges Thema über das wir sprachen, ist die Gleichberechtigung von Frauen in unserer Gesellschaft. In ihrem Berufsleben hat Lea Rosh für viele unterschiedliche Rund- und Fernsehanstalten in Deutschland gearbeitet. Als erste weibliche Intendantin beim Norddeutschen Rundfunk Anfang der 90iger-Jahre hat sie sich dafür stark gemacht, dass mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. In der damaligen männlich dominierten Rundfunkwelt ein Novum. Zu Recht besonders stolz zeigte sie sich auf den von ihr eingerichteten ersten Betriebskindergarten in einem Rundfunkhaus.

Natürlich habe ich mit meinem Gast auch über die derzeitige Lage der SPD gesprochen. Lea Rosh ist 1968 auf Grund Willy Brandts Ostpolitik eingetreten. Die aktuellen Umfrageergebnisse beschäftigt auch sie. Sie hält es für ratsam, dass sich die Partei wieder verstärkt auf ihre eigentliche Klientel konzentriert: Die Frage von fairen Arbeitsbedingungen beschäftigt die Menschen in unserem Land schließlich nach wie vor!

Alles in allem ein sehr interessanter und kurzweiliger Abend. Ich danke Frau Rosh für ihren Besuch!

Herzlichst

Ihr Andreas Kugler

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